Der letzte ist Judas Ischariot. Ein aus zwiespältigen Gefühlen zum Verräter gewordener Jünger. Ob eines von ihm erträumten Zieles der Machtübernahme nagelte er die noch ganz neue Idee des Christentums an das Kreuz der Römer. Gleichzeitig ist dies seine Aufgabe von Anfang an. Es blieben von ihm nur die dreißig Silberlinge, stellvertretend für den verräterischen Kuss im Garten am Ölberg bei Jerusalem, Gethsemane.
In apokryphen gnostischen Schriften wie dem frühchristlichen Judasevangelium wird Judas als der Jünger gesehen, der die Erlösungsgeschichte durch seinen Verrat erst ermöglicht hat und damit im Dienste Jesu stand.
Diese dreißig Taler haben wir neu geprägt und mit geschmiedeten Nägeln auf ein Mauerbrett genagelt. Ein Brett, dass sonst hilft, Mauern zu errichten.
Verrat ist ein besonders schwerer Vertrauensbruch, der die Loyalität verletzt. Eine Person, die einen Verrat begangen hat, wird als Verräter bezeichnet. Im Einzelfall können Geheimnisse an andere Nutznießer verraten werden, oder es wird eine Person oder Gruppe in Stich gelassen (militärisch: Desertation). Strafrechtlich gibt es die Tatbestände Hochverrat, Landesverrat und Parteiverrat. Ein Unterfall ist der Geheimnisverrat.
Berühmte Verräter sind Judas Ischariot, Franz Raffl (Judas von Tirol) und Johann Joseph Öttlinger (Judas von Sendling).
Franz Raffl verriet den Franzosen im Januar 1810 für 1500 Gulden den Aufenthaltsort des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer.
Johann Joseph Öttlinger wurde in der bayerisch-patriotischen Geschichtsschreibung als Verräter des bayerischen Volksaufstandes (1705) verteufelt, wobei er Stand, Stärke und Absichten der Aufständigen verriet, um für sich Straffreiheit zu erwirken. Er war selbst an dem Aufstand mit 200 Mann, dem sogenannten Starnberger Aufgebot, beteiligt.